SORA Schritt 2: Initial Ground Risk Class – Initiale Bodenrisikoklasse

Mario Marek Von Mario Marek 4 Min. Lesen

Erfahre was die Bodenrisikoklasse ist, wie sie mit SORA zusammenhängt und was das für dich bei der Ausarbeitung deines Antrags für Drohnenflüge in der Specific Kategorie bedeutet.

Es gibt nur zwei Gründe warum du hier gelandet bist:

  • du weißt bereits, dass deine geplante Drohnenmission nur mit einer Betriebsgenehmigung in der Specific Kategorie stattfinden darf und musst eine SORA durchführen oder
  • du bist am Thema SORA so interessiert wie ich und willst dein Wissen vertiefen 😉

In beiden Fällen dürfte der folgende Artikel zu Schritt 2 der SORA hilfreich sein. Wir beantworten unter anderem die Fragen: Kann ich mit der SORA überall fliegen? Kann ich die SORA für jede Drohne machen? Für welche Drohne macht die SORA Sinn? SORA gilt nur für Drohnen über 25 kg oder?

Was ist die Bodenrisikoklasse?

Während in der bemannten Luftfahrt alles daran gesetzt wird bei einem Unfall den Insassen das Überleben zu ermöglichen (durch unzählige Tests und Zertifizierungen der Bauteile, Baugruppen und Gesamtsystem), richtet sich der Fokus in der unbemannten Luftfahrt darauf, wie Schäden an Dritten vermieden und wo nicht vermeidbar, so gering wie möglich gehalten werden können. Schließlich möchte man ein vergleichbares Sicherheitslevel wie in der bemannten Luftfahrt erreichen.

Aus diesem Grund trägt SORA als umfassende Risikoanalyse (Link Was ist SORA?) sowohl dem Boden- als auch dem Luftrisiko Rechnung. Dadurch stellt sie an den Drohnenbetreiber nicht nur luftfahrtübliche Anforderungen. Das Risiko für Personen, Eigentum oder kritische Infrastrukturen von einer Drohne getroffen zu werden, stellt das Bodenrisiko dar und wird in Schritt 2 der SORA nach Erstellung des ConOps analysiert. Wie man das ConOps erstellt kannst du noch einmal hier nachlesen: SORA Schritt 1: Was ist ConOps? – Betriebskonzept

Gefährdete Personen

Das Herausfinden der Anzahl gefährdeter Personen (unbeteiligter Personen am Boden) stellt den Kern des Bodenrisikos dar. Denn klarerweise steigt das Risiko, je mehr Personen sich im Fluggebiet befinden. Somit sollte vor der Analyse bereits klar sein, wie deine Flugroute aussieht, die du am besten schon inklusive Contingency Volumen und Bodenrisikopuffer in ein Kartentool einzeichnest.

In SORA Version 2.0 (die derzeit gültige SORA Version) unterscheidet man dann, ob deine Route über:

  • wenig besiedeltes
  • besiedeltes Gebiet oder
  • über Menschenansammlungen führt.

Während Menschenansammlungen klar definiert sind (Personen können sich nicht frei bewegen, wie z.B. bei einem Konzert) lässt SORA 2.0 hier Interpretationsspielraum offen, wie man “wenig besiedelt” und “besiedelt” mit Zahlen hinterlegt. Hier hilft es mit der Behörde zu sprechen und eventuelle nationale Festlegungen herauszufinden.

SORA 2.5, die bald von der EASA adoptiert werden soll, bringt hier in Zukunft eine Klärung. Informationen zur Besiedelung liefern Karten der Bevölkerungsdichte des jeweiligen Landes.

Drohne

Die Größe und das Gewicht der Drohne spielen natürlich auch eine Rolle beim Bodenrisiko. Grundsätzlich kann man aber sagen, dass man für jede Drohne, die nicht in der Certified Kategorie fliegt, eine SORA erstellen kann. Das heißt auch für Open Kategorie Drohnen, die in Specific Kategorie Bedingungen geflogen werden sollen.

Die Größe der Drohne wird mit der maximalen charakteristischen Dimension definiert. Für Multicopter ist dies die maximale Distanz zwischen den Rotorspitzen und bei Flächenfliegern die Spannweite. Für das Gewicht der Drohne wird die maximale Abflugmasse (MTOM) d.h. inklusive Nutzlast und Treibstoff wie im Betriebshandbuch der Drohne angegeben, herangezogen. Diese Masse wird für die Berechnung der typischen kinetischen Energie, die bei einem Aufprall auftritt, verwendet.

Hier sieht man die Parallelen zur Open Kategorie, in der nur bestimmte Drohnen in der Nähe von Personen geflogen werden dürfen.

B/VLOS

Natürlich macht auch die Art der Operation (Darf ich außerhalb der Sichtweite fliegen?) einen Unterschied im Risiko. In SORA 2.0 ist das Risiko geringer, wenn man VLOS (=visual line of sight = in Sichtweite) fliegt, da davon ausgegangen wird, dass man die Personen am Boden erkennen kann und im Notfall Maßnahmen ergreifen kann, um sie zu umfliegen.

Initiales Bodenrisiko

Das initiale Bodenrisiko setzt sich nun aus den oben genannten Punkten zusammen:

  • der Flugroute und den dort gefährdeten Personen,
  • der verwendeten Drohne und ihren Eigenschaften, sowie
  • der Betriebsart

Mit diesen Informationen ist man bereit, die korrespondierende Bodenrisikoklasse herauszufinden.

Bodenrisikoklassen sora drohne
Bodenrisikoklassen nach Berücksichtigung der Operations-Parameter. Bild: EASA/JARUS

Je höher die Bodenrisikoklasse, desto höher sind die Anforderungen an die Operation (siehe SAIL und OSOs) und Flüge über Menschenansammlungen sind nur mit kleinen, leichten Drohnen möglich.

Um die Anforderungen zu reduzieren kann man Mitigationen anwenden (wie z.B. einen kontrollieren Bodenbereich sicherstellen (controlled ground area). Diese beleuchten wir im nächsten Artikel.

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Zusammenfassung

Nun hast du gesehen, was alles in die Berechnung der Bodenrisikoklasse deiner Operation einfließt. Dieser Artikel beleuchtet die wichtigsten Aspekte des Bodenrisikos in Schritt 2 der SORA. Dabei spielen die Flugroute, die Anzahl der gefährdeten Personen und die Eigenschaften der Drohne eine entscheidende Rolle. Abhängig von diesen Parametern wird die Bodenrisikoklasse bestimmt, die wiederum die Anforderungen an den Drohnenbetrieb festlegt.

Manuell kann die Sammlung der Daten zur Bevölkerungsdichte und der Drohne sehr mühsam sein und lässt Interpretationsspielraum offen. Mit wingman wird auf Basis der Flugroute und der im Profil hinterlegten Drohne das Betriebsvolumen inkl. Contingency-Volumen und Bodenrisikopuffer generiert, das zugehörige Bodenrisiko berechnet und angezeigt, so dass an bestimmten Stellen der Flugroute Optimierungspotenzial für eine niedrigere Risikoklasse leicht erkannt werden kann.

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