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Kenntnisnachweis – Drohnenführerschein

Nach Inkrafttreten der neuen „Drohnen-Verordnung“ am 07. April 2017 ist ein wichtiger Punkt seit dem 01.Oktober 2017 Pflicht: der Kenntnisnachweis, umgangssprachlich auch „Drohnen-Führerschein“ genannt. Was es damit auf sich hat, wer ihn braucht und wo man ihn machen kann, ist in diesem Ratgeber beschrieben.

Achtung: Mit der zum 01.01.2021 in Kraft tretenden neuen EU Drohnenverordnung werden auch zwei neue EU-Drohnenführerscheine eingeführt. Die Informationen in diesem Artikel beziehen sich also nur noch bis zum 31.12.2020.

Drohnenpiloten, deren Drohne ein Startgewicht von 2 kg oder mehr aufweist, müssen den so genannten Kenntnisnachweis besitzen. Dieser Kenntnisnachweis soll sicherstellen, dass der Drohnenpilot das nötige Wissen besitzt, um sein Fluggerät sicher zu steuern. Beim Luftfahrt-Bundesamt heißt es dazu:

Die Luftverkehrsordnung (LuftVO) fordert von den Steuerern unbemannter Fluggeräte, so genannter Drohnen und Modellflugzeugen, die eine Startmasse über 2 kg haben, dass diese Kenntnisse in:

  • der Anwendung und Navigation dieser Fluggeräte

  • der einschlägigen luftrechtlichen Grundlagen und

  • der örtlichen Luftraumstruktur nachweisen.

Wer braucht den Kenntnisnachweis?

Wie eingangs erwähnt, ist der Kenntnisnachweis für Drohnenpiloten notwendig, deren Drohne ein Startgewicht von mindestens 2 kg besitzt. Ob privat oder gewerblich geflogen wird, spielt hierbei keine Rolle. Der Nachweis ist in beiden Fällen notwendig. Somit sind auch Hobbypiloten betroffen, die außerhalb von Modellflugplätzen eine Drohne steigen lassen wollen.

Zu beachten ist die Art des Kenntnisnachweises. Während der Kenntnisnachweis nach §21e LuftVO lediglich für den ausschließlich privaten Betrieb von Modellflugzeugen/Coptern gültig ist, dient der Kenntnisnachweis nach §21d LuftVO auch für den gewerblichen Einsatz und dem Flug außerhalb von Flugplätzen. Alle offiziellen Stellen sollten den Nachweis nach  § 21a Absatz 4 Satz 3 Nummer 2 LuftVO aushändigen. Vorab nachfragen ist Pflicht um Missverständnisse aus dem Weg zu räumen.

Lohnt sich der Kenntnisnachweis auch für kleinere Drohnen?

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Unserer Einschätzung nach ist der Kenntnisnachweis auch für Piloten sinnvoll, die mit kleineren Drohnen unterwegs sind. Diese sind zwar nicht zum Besitz eines solchen Nachweises verpflichtet, profitieren aber von dem Wissen, dass beim Erwerb des Kenntnisnachweis vermittelt wird. Darüber hinaus können sich gewerbliche Drohnenpiloten mit einem solchen Nachweis von ihren Konkurrenten abheben und vermitteln damit ein größeres Fachwissen – ein klarer Wettbewerbsvorteil. Ebenfalls ist davon auszugehen, dass der Nachweis erforderlich ist, sollte ein Drohnenpilot Ausnahmegenehmigungen für Flugverbotszonen, wie beispielsweise Naturschutzgebiete, erlangen wollen.

Wie kommt man an den Kenntnisnachweis?

Laut dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) gibt es mehrere Möglichkeiten diesen Kenntnisnachweis zu erlangen.

Kenntnisnachweis: Für den Betrieb von Flugmodellen und unbemannten Luftfahrtsystemen ab 2 kg ist künftig ein Kenntnisnachweis erforderlich. Der Nachweis erfolgt durch

a) gültige Pilotenlizenz

b) Bescheinigung nach Prüfung durch eine vom Luftfahrt-Bundesamt anerkannte Stelle (auch online möglich), Mindestalter: 16 Jahre

c) Bescheinigung nach Einweisung durch einen Luftsportverein (gilt nur für Flugmodelle), Mindestalter 14 Jahre.

Die Bescheinigungen gelten für 5 Jahre. Für den Betrieb auf Modellfluggeländen ist kein Kenntnisnachweis erforderlich.

Wer stellt die genannten Dokumente aus?

1. Pilotenlizenzen werden von den Landesluftfahrtbehörden und vom Luftfahrt-Bundesamt ausgestellt. Als ausreichender Kenntnisnachweis für die Steuerer von unbemannten Fluggeräten gelten auch ausländische Lizenzen, sofern diese nach der Verordnung (EU) Nr. 1178/2012 ausgestellt sind.

2. Die anerkannten Stellen zur Bescheinigung ausreichender Kenntnisse für Steuerer von unbemannten Fluggeräten wurden neu in die LuftVO aufgenommen. Dementsprechend sind diese Stellen nach dem Inkrafttreten der Novelle der LuftVO nicht sofort verfügbar. Auf Antrag werden entsprechende Stellen (z.B. Modellflugschulen, Flugschulen und andere interessierte Stellen) vom Luftfahrt-Bundesamt geprüft und beim Vorliegen der geforderten Voraussetzungen vom Luftfahrt-Bundesamt anerkannt, um entsprechende Prüfungen abzunehmen und die Kenntnisse der Steuerer zu bescheinigen.

Die LuftVO sieht den 1. Oktober 2017 als Termin vor, ab dem der Steuerer eines unbemannten Fluggerätes über 2 kg Abflugmasse über einen Kenntnisnachweis verfügen muss. Das LBA wird während dieser Übergangszeit ausreichend viele Stellen anerkennen, dass alle interessierten Steuerer die geforderten Prüfungen ablegen können, um dann über die entsprechenden Kenntnisbescheinigungen zu verfügen. Die LuftVO sieht vor, dass anerkannte Stellen diese Prüfungen auch im Internet als Online-Prüfung anbieten können.

3. Der Deutsche Modellflieger Verband e.V. (DMFV) und der Deutsche Aero Club e.V. sowie deren Mitgliedsvereine sind grundsätzlich berechtigt, entsprechende Einweisungen für Steuerer von unbemannten Fluggeräten durchzuführen und zu bescheinigen. Dieses Angebot richtet sich an deren Mitglieder, kann jedoch auch von Nichtmitgliedern wahrgenommen werden. Die von diesen Verbänden oder deren Vereinen ausgestellte Bescheinigung berechtigt zum Steuern von unbemannten Fluggeräten über 2 kg Startmasse, sofern diese Geräte ausschließlich zu Sport- und Freizeitzwecken betrieben werden.

Geht man davon aus, dass die erste Option, also eine Pilotenlizenz, für die meisten Drohnenpiloten eher ein zu großer Aufwand ist, gibt es also die Möglichkeiten 2) und 3). Laut dem Luftfahrt Bundesamt ist die „Bescheinigung nach Einweisung durch einen Luftsportverein“ nur gültig, wenn es sich beim Drohnenflug „ausschließlich um Sport- und Freizeitzwecke“ handelt. Gewerbliche Drohnenpiloten kommen also um die Durchführung einer Prüfung nicht herum und ihnen bleibt damit nur noch Option 2).

Wo kann ich den Kenntnisnachweis erlangen?

Die Prüfungen werden von anerkannten Stellen durchgeführt. Diese Stellen haben dabei einen gewissen Spielraum. Viele offizielle Stellen kombinieren die Prüfung gleich mit einem (kostenpflichtigen) Seminar, das auf die Prüfung vorbereiten soll.

Eine Übersicht aller aktuell offiziell gelisteten Stellen, bei denen der Kenntnissnachweis erlangt werden kann (Stand 07.01.2018).

Hinweis: Da der Kenntnisnachweis durch die beiden neuen EU-Drohnenführerscheine ersetzt wurde, existieren die damals noch als „annerkannte Stellen“ bezeichneten Unternehmen nicht mehr in einer entsprechenden Liste. Mehr Informationen gibt es im verlinkten Artikel.

Die Kenntnisnachweis Prüfung

Wie funktioniert der Erwerb des Kennitsnachweis? Die unterschiedlichen Anbieter, die zur Ausstellung des Kenntisnachweises vom Luftfahrt-Bundesamt zertifiziert sind, handhaben sowohl den Umfang als auch den eigentlichen Test zum Erwerb des Kenntnisnachweis nach §21d LuftVO identisch. Sicherheitshalber sollte man zuerst immer nachfragen, ob es sich um den genannten Kenntnisnachweis handelt oder um die einfache Flugkundeschulung (wie im Abschnitt „Wie kommt man an den Kenntnisnachweis?“ Variante c) beschrieben). Darüber hinaus sollte man sich informieren, in welcher Form der Kenntisnachweis erworben wird. Einige Stellen kombinieren den Erwerb mit einem zum Teil mehrtägigen Seminar, andere ermöglichen eine einfache Online-Prüfung. Diese Unterschiede bei der Durchführung sorgen auch für unterschiedliche Kosten. Wir sind im ständigen Kontakt mit den offiziellen Stellen. In unserer Tabelle oben fassen wir diese Informationen für euch zusammen, soweit sie uns bereits von der betreffenden Stelle vorliegen.

Folgende Gemeinsamkeiten lassen sich für die von uns befragten Stellen jedoch zusammen fassen:

  • Prüfungsvorgaben nach §21e LuftVO (private Nutzung) und §21d LuftVO (kommerzielle Nutzung) des Luftfahrtbundesamtes für alle Anbieter gleich

  • 51 Multiple Choice Aufgaben oder Werteintragungen z.B 100 Meter etc.

  • Jede Anerkannte Stelle muss Ihren Prüfungskatalog bei der LBA einreichen und absegnen lassen

  • Gebiete der Fragen: Luftrecht/Luftgesetz (Luftraumstruktur, Flugverbotszonen, Betriebsverbote, Aufstiegserlaubnis,etc), Meteorologie (Wind, Niederschlag, Vereisung, etc), Flugbetrieb und Navigation (Sichtbarkeit der Drohne, Risikobewertung, Hilfspersonal,etc.)

  • in jedem Gebiet müssen 75 % der Fragen richtig beantwortet werden

  • Dauer der Prüfung, je nach Wissensstand ca. 60-120 Minuten

  • Prüfung nur vor Ort und mit Prüfer machbar, physischen Prüfungsraum, Räume Zertifiziert nach DIN Norm (Stand Dezember 2017)

  • Prüfungsvorbereitung (Theorie) auch online machbar

  • Zertifikat ist genormt

  • Zertifikat muss nach 5 Jahren erneuert werden

  • mit Fluggeräten unter zwei Kilogramm ist der Nachweis nach § 21d Voraussetzung, sobald man Ausnahmegenehmigungen für Verbote nach § 21b Luftverkehrs-Ordnung (LuftVO) beantragt

Darüber hinaus muss der Bewerber mindestens 16 Jahre alt sein und folgende Unterlagen zur Prüfung vorlegen:

  1. ein gültiges Identitätsdokument
  2. bei Minderjährigkeit die Zustimmung des gesetzlichen Vertretes
  3. eine Erklärung über laufende Ermittlungs- Strafverfahren
  4. ein Führungszeugnis nach §30 Absatz 1 des Bundeszentralregistergesetzes, sofern er sich erstmals um eine Bescheinigung bewirbt

Zum Führungszeugnis noch ein Hinweis:

Man kann je nach Ermessen des Prüfers trotzdem zur Prüfung zugelassen werden, auch wenn ein Eintrag vorhanden ist. Hier muss sich der Prüfer jedoch im Klaren sein, dass er unter Umständen in der Verantwortung stehen könnte, wenn der Geprüfte mit der Drohne gegen das Gesetz verstößt.

Die anerkannte Stelle führt ein Verzeichnis über die Namen und Anschriften der geprüften Bewerber. In diesem Verzeichnis sind auch Täuschungsversuche vermerkt.

Was kostet der Drohnenführerschein?

Die Kosten für den Kenntnisnachweis lassen sich nicht ohne weiteres allgemein gültig benennen. Hier Haben die zertifizierten Stellen recht viel Handlungsfreiheit. Je nach Art und Umfang der Schulung und der eigentlichen Prüfung, variieren die Kosten dabei teils stark. Bei mehrtägigen Seminaren mit Präsenzprüfung können die Kosten in die Tausende gehen, während ein reine Ablegung der Prüfung, ohne vorherigen Kurs oder Übungsunterlagen, unterhalb von 100€ liegen kann. Schaut auch hier in unsere Zusammenfassung der offiziellen Stellen oben nach. Wir haben hier mit den Verantwortlichen geredet und soweit es möglich war die Kosten für euch zusammengetragen.

Hier ist dringend zu empfehlen, sich dennoch vorab bei ausgewählten Stelle zu informieren, da diese ihre Angaben natürlich jederzeit ändern können.

Wir kontaktieren die offiziellen Stellen nach und nach und erkundigen uns für euch nach konkreten Kosten und dem Ablauf zum Erwerb des Kenntisnachweis. Die Antworten der Stellen findet ihr regelmäßig aktualisiert an dieser Stelle.

Generelle Informationen zum Kenntnisnaschweis direkt vom LBA liefert der offizielle Flyer.

Kategorien: Drohnen-Wissen, Ratgeber

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